
Ein Geschäftsführer eines mittelständischen Onlinehändlers fragt seinen Marketing-Leiter: „Wie sichtbar sind wir eigentlich bei Google?" Der Marketing-Leiter öffnet die Search Console und zeigt Rankings, Impressions, Klicks. Alles im grünen Bereich. Was niemand im Raum fragt: Wie sichtbar sind wir in ChatGPT? In Perplexity? In Claude? Wenn ein potenzieller Kunde die KI fragt welchen Anbieter er wählen soll – erscheinen wir dort überhaupt?
Die Antwort auf diese Frage kennen die meisten Unternehmen nicht. Und das ist das Problem.
Suchmaschinen haben das Kaufverhalten über zwei Jahrzehnte geprägt. SEO wurde in dieser Zeit zu einem eigenen Berufsfeld. Unternehmen investieren erheblich um bei Google sichtbar zu sein. Parallel dazu ist ein neuer Kanal entstanden. Immer mehr Recherchen starten heute nicht bei Google, sondern bei einem KI-Modell. Jemand tippt eine Frage, bekommt eine direkte Antwort – und diese Antwort nennt konkrete Anbieter. Wer dort nicht vorkommt, existiert für diesen Nutzer in diesem Moment nicht. Der entscheidende Unterschied zur klassischen Suche: Bei Google bekommt ein Nutzer zehn Ergebnisse und klickt sich durch. Bei der KI bekommt er eine Antwort. Diese Antwort nennt zwei oder drei Namen. Alle anderen kommen nicht vor.
ChatGPT, Claude, Perplexity und Google AI antworten nicht aus dem Nichts. Sie basieren ihre Empfehlungen auf dem, was über ein Unternehmen im Netz steht – in Fachmedien, Blogs, Foren, Testberichten, Communities und Bewertungsplattformen. Das bedeutet: KI-Sichtbarkeit ist kein Technikthema. Es ist ein Reputationsthema. Wer in relevanten Quellen präsent ist, wer dort positiv erwähnt wird, wer als Anbieter in Community-Diskussionen auftaucht – der wird von KI-Modellen mit höherer Wahrscheinlichkeit empfohlen. Wer kaum geschrieben wurde, kommt kaum vor. Unabhängig davon wie gut das Produkt ist.
2005 hat kaum jemand im Mittelstand an SEO geglaubt. 2015 haben alle nachgerüstet – zu spät und zu teuer, weil die frühen Platzhirsche bereits dominante Positionen besetzt hatten. KI-Sichtbarkeit befindet sich heute an einem ähnlichen Punkt. Die meisten Unternehmen messen sie nicht. Die meisten wissen nicht wie sie in KI-Antworten erscheinen. Der Wettbewerb um diese Positionen ist noch gering. Das ist ein Zeitfenster. Und es schließt sich. Für kleinere und mittelgroße Unternehmen ist das besonders relevant: In der klassischen Suche sind die Positionen hart umkämpft. In der KI-Suche sind viele Felder noch offen. Wer heute sichtbar wird, muss später nicht aufholen.
Wenn jemand ChatGPT fragt „Welchen Onlinehändler für Outdoor-Ausrüstung würdest du empfehlen?" – wirst du genannt? Wenn jemand Perplexity fragt „Was ist der beste Anbieter für [deine Produktkategorie]?" – erscheinst du? Wie oft wirst du im Vergleich zu deinem stärksten Wettbewerber genannt? In welchen Themen bist du sichtbar – und in welchen nicht? Diese Fragen lassen sich messen. Regelmäßig, automatisch, im direkten Vergleich zum Wettbewerb. Die meisten Unternehmen stellen sie sich schlicht nicht. Weil der Kanal neu ist. Weil es noch keine etablierte Praxis gibt. Und weil klassische Marketing-Tools diesen Kanal schlicht nicht abdecken.
Der erste Schritt ist zu wissen wo man gerade steht. Welche Fragen stellen deine Kunden der KI – und erscheinst du in den Antworten? Wo ist dein Wettbewerber präsenter als du? Welche Quellen zitieren ihn, die dich ignorieren? Diese Lückenanalyse zeigt wo anzusetzen ist. KI-Sichtbarkeit lässt sich gezielt verbessern – durch Präsenz in den Quellen die KI-Modelle als verlässlich bewerten: Fachmedien, Community-Beiträge, Testberichte, Erwähnungen in branchenspezifischen Foren. Das ist keine klassische SEO-Aufgabe. Es ist gezielte Reputationsarbeit an den richtigen Stellen.
KI-Sichtbarkeit ist der neue Kanal den dein Marketing noch nicht misst. Wer dort früh sichtbar wird, hat einen Vorsprung den andere erst aufholen müssen. Wer wartet, wiederholt den Fehler den viele mit SEO gemacht haben – nur mit weniger Zeit zum Aufholen. Der erste Schritt ist einfach: herausfinden wie du heute in KI-Antworten erscheinst – für dein Unternehmen und im Vergleich zum Wettbewerb.


